Das Reifegradmodell der Lieferantenanbindung
Die meisten Unternehmen bestellen bei ihren Lieferanten – und nennen das Supply Chain Management. Es ist keines. Echtes SCM beginnt, wenn beide Seiten ihre Planungsdaten teilen.
In meiner Praxis nutze ich ein 6-stufiges Reifegradmodell zur Bewertung und Entwicklung der Lieferantenanbindung:
- Stufe 0: Einzelbestellung ohne Information
- Stufe 1: Einzelbestellung mit Bedarfsprognose und Bestandsdaten
- Stufe 2: Lieferplan mit 1-wöchiger Frozen Zone
- Stufe 3: Lieferplan mit 1–4 Wochen Frozen Zone + Bestandsdaten
- Stufe 4: Vendor Managed Inventory (VMI) – Lieferant steuert Zufluss
- Stufe 5: Kundenkonsignationslager mit Bedarfsprognose
EDI und Lieferplananbindung in der Praxis
In mehreren Mandaten habe ich die Lieferantenanbindung per EDIfact umgesetzt. Die technische Anbindung ist die einfache Seite – die Herausforderung liegt in der Datenqualität. Ein Lieferplan, der auf schlechten Forecast-Daten basiert, ist wertlos.
Deshalb: Erst S&OP stabilisieren, dann Lieferanten anbinden. Die Sequenz ist entscheidend. Wer die Lieferanten zu früh anbindet, exportiert seine eigene Planungsunruhe in die Supply Chain.
Wiederbeschaffungszeiten als strategischer Hebel
WBZ-Reduktion ist einer der wirksamsten Hebel zur Bestandsoptimierung. Jeder Tag weniger Wiederbeschaffungszeit erlaubt niedrigere Sicherheitsbestände. In einem Mandat war das Ziel: 80% des Einkaufsvolumens mit WBZ ≤12 Tage.
Der Weg dorthin führt über drei Maßnahmen: Lieferanten-Entwicklung auf höhere Anbindungsstufen, Lieferplan statt Einzelbestellung, und aktive Verhandlung von Rahmenverträgen mit definierten Abrufmengen und Lieferzeiten.
„VMI ist nicht Vertrauenssache – es ist Systemfrage. Wer seinem Lieferanten gute Daten gibt, bekommt gute Lieferperformance zurück."
— Michael von PlettenbergLieferantenanbindung
Inventory Ziel
Lieferplananbindung
durch Anbindung