Automatisierung ist kein Personalabbau-Programm
Das ist das größte Missverständnis in Transformationsprojekten: Wenn ich von FTE-Optimierung spreche, denken viele sofort an Kündigungen. Das ist falsch – und kontraproduktiv. Wer in einem laufenden Betrieb Angst erzeugt, verliert genau die Mitarbeiter, die er für die Transformation braucht.
Mein Ansatz: Automatisierung verlagert Arbeit. Manuelle, repetitive Tätigkeiten werden durch Systeme übernommen – und die freigewordene Kapazität wird in Bereiche mit Mehrwert verschoben. In einem Mandat im produzierenden Gewerbe war das Ziel, 12 FTE von manuellen Dispositions- und Drucktätigkeiten in höherwertige Aufgaben (z.B. Automotive-Kapazitätsplanung) umzuschichten.
Das Vorgehen: Pilot vor Rollout
In keinem meiner Mandate haben wir großflächig automatisiert. Der Ansatz ist immer gleich: Pilotbereich identifizieren, Prozess stabilisieren, automatisieren, messen – und erst dann skalieren.
In einem konkreten Fall: Pilotprojekt Rahmenfertigung. Durch die rollierenden Planungsdaten aus dem S&OP-Prozess konnte die manuelle Erstellung und Verteilung von Fertigungsaufträgen eliminiert werden. Das ERP übernahm die Disposition automatisch. Ergebnis: ~2 FTE freigesetzt, Fertigungssteuerung ruhiger, Fehlerrate gesunken.
Die Grundvoraussetzung: Stabile Datenbasis
Automatisierung funktioniert nur auf stabiler Datenbasis. Wer schlechte Planungsprozesse automatisiert, automatisiert Chaos. Deshalb: S&OP kommt vor Automatisierung. Rollierende Planung kommt vor EDI-Anbindung. Prozessstabilität kommt vor Systemeinführung.
Das klingt banal – wird aber in der Praxis ständig ignoriert. Unternehmen kaufen Systeme, die ihre Probleme lösen sollen. Die Probleme liegen jedoch fast nie in den Systemen, sondern in den Prozessen dahinter.
„Automatisierung ist das Ergebnis guter Prozesse – nicht deren Ersatz. Wer erst automatisiert und dann optimiert, optimiert das Falsche."
— Michael von PlettenbergAutomatisierung
einem Mandat
statt Kündigung
dann skalieren